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Kaufbeuren
Samstag, 3. Dezember 2016
Der ESV Kaufbeuren trauert um Florian Strida
Kaufbeurer Trainerfachmann und begnadeter Taktikfuchs verstorben

Er war eine Legende schon zu Lebzeiten. Florian Strida, der ausgewiesene Trainerfachmann und begnadete Taktikfuchs. Mit ihm feierte der ESV Kaufbeuren in seinen goldenen Achtzigern unvergessliche Erfolge, wie sie sich in Deutschlands seinerzeit kleinster Bundesligastadt niemand zu erträumen gewagt hatte.

Der für seine Fähigkeiten an der Bande ebenso wie für seine menschliche Größe hochgeschätzte Eishockeylehrer aus Pardubitz führte seinen ESVK auf ungeahnte Höhen und zweimal sensationell bis ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Als er im März 1985 zusammen mit Vladimir Martinec und Bohuslav Stastny am Berliner Platz verabschiedet wurde, erhob sich die Halle, um der Troika aus Böhmen stehende Ovationen darzubringen, und bei den donnernden Sprechchören „Strida, wir danken dir!" lief dem begeisterten Publikum manch eine Träne aus den feuchten Augen. Freude, Dankbarkeit und Wehmut durchdrangen einander in jenem einzigartigen Gänsehautaugenblick, als die Allgäuer dem sympathischen Sportsmann ihre ganze Zuneigung zum Ausdruck brachten.

Der gewiefte Taktiker gilt als der Architekt der größten Erfolge in der siebzigjährigen Vereinsgeschichte des ESV Kaufbeuren. Er war einer der anerkanntesten Vertreter seiner Zunft und wurde zu Deutschlands Eishockeytrainer des Jahres gewählt. An der Wertach gipfelte seine hohe Wertschätzung in der mit breiter Zustimmung erfolgten Kür zum Kaufbeurer Trainer des zwanzigsten Jahrhunderts.

Florian Strida gehörte zu den Stillen im Lande. Er war ein Mensch, der zuhören konnte. Ruhig, einfühlsam und mit hohem Sachverstand führte er seine Mannschaften, die Eishockey mit Leidenschaft, Herz und Kopf spielten. Es verwundert nicht, dass höchster Respekt aus ihm spricht, wenn der frühere Kapitän Manfred Schuster von dem bescheidenen Eishockeylehrer, den man getrost als Vaterfigur bezeichnen darf, erzählt: „Florian Strida hat uns vor allem im taktischen Bereich sehr viel beigebracht, aber auch seine menschliche Seite war gerade für die Kaufbeurer Mannschaft sehr wichtig. Für Florian Strida gaben die Spieler einfach alles."

Am 1. Dezember 1934 geboren, galt Florian Stridas Leidenschaft ein Leben lang dem Eishockeysport. Er spielte selbst erfolgreich in der höchsten tschechoslowakischen Liga und bereits 1969 gab er als erst zweiter ausländischer Spieler nach Jiri Kren ein einjähriges Gastspiel in Kaufbeuren, wo er schon damals einen hervorragenden Eindruck hinterließ. Enge Bande waren geknüpft und 1981 kehrte Florian Strida als Trainer an die Wertach zurück, um binnen vier Jahren mehrere Meilensteine in der Vereinsgeschichte des ESVK zu setzen. Später übernahm er noch einmal für zwei Spielzeiten das Traineramt am Berliner Platz und auch da waren die Allgäuer bei ihm in guten Händen, führte er sie doch 1991 nach zweijähriger Abstinenz wieder zurück in die Bundesliga. Neben seinem segensreichen Wirken in Kaufbeuren stand Florian Strida hierzulande auch beim EV Landsberg und beim TSV Peißenberg an der Bande, während er in seiner Heimat die Junioren- und die B-Nationalmannschaft betreute.

Am 26. November 2016 ist Florian Strida für immer von uns gegangen. Er gehört zu den ganz Großen des Kaufbeurer Eishockeys. Der Eissportverein Kaufbeuren verneigt sich in Dankbarkeit vor ihm. Er verliert seinen legendären Jahrhunderttrainer, einen großartigen Menschen und einen treuen Freund. Das aufrichtige Mitgefühl der Kaufbeurer Eishockeyfamilie gilt seinen Angehörigen. Ein gutes Stück ESVK geht mit Florian Strida hinaus.

Text: Manfred Kraus


Tags:
trauer esvk kaufbeuren eishockey trainer legende



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